So funktioniert der ROI- und Renditerechner
Zwei Zahlen beschreiben den Erfolg einer Anlage, und sie werden ständig verwechselt. Der ROI – Return on Investment – misst den Gewinn am eingesetzten Kapital über die gesamte Laufzeit. Die jährliche Rendite, in der Fachsprache CAGR für Compound Annual Growth Rate, rechnet denselben Erfolg auf ein einzelnes Jahr herunter. Erst diese zweite Zahl macht Anlagen unterschiedlicher Dauer vergleichbar.
Der Rechner gibt beide aus, dazu Verdopplungszeit, die Rendite nach Abgeltungssteuer und die reale Rendite nach Inflation.
Die beiden Formeln
jährliche Rendite = (Rückfluss ÷ Einsatz) hoch (1 ÷ Jahre) − 1, mal 100
Aus 10.000 Euro werden in fünf Jahren 15.000 Euro. Der ROI beträgt 5.000 ÷ 10.000 = 50 Prozent. Die jährliche Rendite ist aber nicht 50 ÷ 5 = 10 Prozent, sondern 1,5 hoch 0,2 minus 1 = 8,45 Prozent. Der Unterschied entsteht durch den Zinseszins: Im zweiten Jahr verzinst sich bereits der Ertrag des ersten mit. Wer einfach teilt, überschätzt die Rendite systematisch – und zwar umso stärker, je länger die Laufzeit ist.
Warum der ROI ohne Zeitangabe wertlos ist
| Laufzeit bis zur Verdopplung | ROI | Jährliche Rendite |
|---|---|---|
| 1 Jahr | 100 % | 100,00 % |
| 2 Jahre | 100 % | 41,42 % |
| 5 Jahre | 100 % | 14,87 % |
| 10 Jahre | 100 % | 7,18 % |
| 15 Jahre | 100 % | 4,73 % |
| 20 Jahre | 100 % | 3,53 % |
| 25 Jahre | 100 % | 2,81 % |
Alle sieben Zeilen zeigen denselben ROI von 100 Prozent. Die jährliche Rendite reicht von glänzend bis unter der Inflationsrate. Wer eine Renditeangabe ohne Zeitraum liest, weiß deshalb praktisch nichts – ein Punkt, der in Werbung für Kapitalanlagen gern ausgenutzt wird.
Die 72er-Regel
Eine der brauchbarsten Faustformeln der Finanzwelt. Bei 8,45 Prozent schätzt sie 8,5 Jahre – exakt gerechnet sind es ebenfalls 8,5. Die Näherung funktioniert am besten zwischen etwa 4 und 12 Prozent und wird an den Rändern ungenauer. Der Rechner gibt beide Werte aus, damit du siehst, wie gut die Regel im konkreten Fall trifft.
Was nach Steuern und Inflation übrig bleibt
Auf Kapitalerträge fallen in Deutschland 25 Prozent Abgeltungssteuer an, dazu 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Steuer – zusammen 26,375 Prozent. Aus 5.000 Euro Gewinn werden damit 3.681,25 Euro, und aus 8,45 Prozent jährlich werden 6,49 Prozent. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro je Person mildert das bei kleineren Depots spürbar ab; der Rechner berücksichtigt ihn bewusst nicht, um nicht zu schmeicheln.
Die reale Rendite nach Inflation wird nicht durch Abziehen ermittelt, sondern über den Quotienten:
Bei 5 Prozent Rendite und 3 Prozent Inflation bleiben deshalb nicht 2,00, sondern 1,94 Prozent. Je höher die Inflation, desto größer wird der Unterschied.
Die unangenehme Asymmetrie der Verluste
Wer 50 Prozent verliert, braucht anschließend 100 Prozent Gewinn, um wieder bei null zu sein. Bei 20 Prozent Verlust sind es 25 Prozent, bei 80 Prozent Verlust bereits 400. Das ist kein Denkfehler, sondern Prozentrechnung – und der Grund, warum Risikobegrenzung in der Praxis oft mehr bringt als die Jagd nach der letzten Renditestelle.
Häufige Fragen
Was gehört in die Nebenkosten?
Alles, was den Einsatz erhöht, ohne Teil des Kapitals zu sein: Ausgabeaufschläge, Ordergebühren, Depotkosten, bei Immobilien Grunderwerbsteuer, Notar und Makler, laufende Instandhaltung. Gerade bei Immobilien entscheiden diese Posten häufig darüber, ob eine Anlage überhaupt trägt – zehn Prozent Kaufnebenkosten müssen erst wieder verdient werden.
Wohin mit Mieten, Zinsen oder Dividenden?
In das Feld für laufende Erträge. Der Rechner addiert sie zum Rückfluss, damit die Gesamtrendite stimmt. Streng genommen unterstellt er damit, dass die Erträge bis zum Ende zinslos liegen bleiben – wer sie laufend wieder anlegt, erzielt etwas mehr, wer sie verbraucht, hat sie schlicht früher gehabt.
Was ist, wenn ich laufend nachgekauft habe?
Dann ist der ROI das falsche Werkzeug. Er setzt einen einmaligen Einsatz und einen Rückfluss am Ende voraus. Bei einem Sparplan oder bei unregelmäßigen Ein- und Auszahlungen braucht es die interne Zinsfußmethode, die jeden Zahlungszeitpunkt einzeln gewichtet. Für einen Sparplan mit gleichbleibender Rate ist der ETF-Sparplan-Rechner der passendere Weg.
Welche Rendite ist realistisch?
Das hängt von der Anlageklasse ab und lässt sich nicht seriös prognostizieren. Als historische Orientierung gilt: Tages- und Festgeld liegen langfristig grob im Bereich der Inflation, breit gestreute Aktienindizes lagen über sehr lange Zeiträume im mittleren bis oberen einstelligen Bereich – vor Kosten und Steuern und mit erheblichen Schwankungen dazwischen. Vergangene Renditen sagen nichts über künftige.
Ist das eine Anlageberatung?
Nein. Der Rechner rechnet aus, was aus deinen Zahlen folgt. Er kennt weder dein Risikoprofil noch deine Steuersituation noch deine sonstigen Anlagen und kann deshalb keine Empfehlung geben. Für eine Anlageentscheidung sind Risiko, Streuung, Kosten und Anlagehorizont mindestens so wichtig wie die erwartete Rendite.
Quellen
- Zinseszins- und Wachstumsrechnung nach der geometrischen Durchschnittsrendite (CAGR) – Standardmethode der Investitionsrechnung.
- § 32d EStG sowie das Solidaritätszuschlaggesetz – Abgeltungssteuer von 25 Prozent zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag, daraus die Belastung von 26,375 Prozent; § 20 Absatz 9 EStG zum Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro je Person.
- Fisher-Gleichung – Zusammenhang von nominaler Rendite, Inflation und realer Rendite über den Quotienten statt über die Differenz.
- Statistisches Bundesamt (Destatis) und Europäische Zentralbank – Verbraucherpreisindex und Inflationsentwicklung als Grundlage der Voreinstellung.
- Alle Zahlen der Tabellen dieser Seite stammen aus Durchläufen des Rechners auf dieser Seite.
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