Entnahmeplan-Rechner

So funktioniert der Entnahmeplan-Rechner

Ein Entnahmeplan dreht das Sparen um: Statt jeden Monat etwas einzuzahlen, entnimmst du regelmäßig einen Betrag – während der Rest des Kapitals weiter angelegt bleibt und Erträge erwirtschaftet. Der Rechner beantwortet die drei Fragen, um die sich beim Ruhestand, bei einer Abfindung oder bei einem Erbe alles dreht: Wie lange reicht mein Kapital bei einer gewünschten Entnahme? Wie viel darf ich entnehmen, wenn es eine bestimmte Zahl von Jahren halten soll? Und was ist dauerhaft möglich, ohne das Vermögen anzutasten?

Die Formel

Reichweite: n = − ln(1 − K · i ÷ R) ÷ ln(1 + i)
Mögliche Rate: R = K · i ÷ (1 − (1 + i)−n)
Ewige Rente: R = K · i

Dabei ist K das vorhandene Kapital, R die monatliche Entnahme, n die Zahl der Monate und i der Monatszins. Der Rechner arbeitet nachschüssig, zahlt also am Monatsende aus, und rechnet mit der realen Rendite: reale Rendite = (1 + Rendite) ÷ (1 + Inflation) − 1. Aus dem Jahreswert wird der Monatszins über i = (1 + r)1/12 − 1. Alle ausgewiesenen Beträge sind damit in heutiger Kaufkraft – die tatsächlich überwiesene Summe steigt jedes Jahr um die Inflationsrate, damit dein Lebensstandard gleich bleibt.

Die drei Modi im Vergleich

ModusDu gibst vorDer Rechner liefertTypische Frage
ReichweiteKapital und MonatsentnahmeLaufzeit bis zum Aufbrauchen„Wie lange komme ich mit 1.500 € im Monat hin?“
RateKapital und gewünschte Dauermaximale Monatsentnahme„Was ist drin, wenn es 30 Jahre halten soll?“
Ewige Rentenur das KapitalEntnahme aus reinen Erträgen„Was kann ich entnehmen, ohne das Vermögen zu verbrauchen?“

Wie viel Entnahme ist realistisch?

Als Faustregel kursiert die 4-Prozent-Regel: Wer jährlich rund 4 % des Startkapitals entnimmt und den Betrag an die Inflation anpasst, kommt historisch über etwa 30 Jahre hin. Die Zahl stammt aus einer Auswertung historischer US-Kapitalmärkte und ist kein Naturgesetz. Für einen deutschen Plan gilt: Steuern auf Kursgewinne, niedrigere erwartete Renditen und eine längere Entnahmedauer sprechen eher für 3 bis 3,5 %. Umgekehrt darf höher entnehmen, wer eine gesetzliche Rente oder Mieteinnahmen als Sockel hat und das Depot nur als Aufstockung nutzt.

Entnahmequote pro JahrEinordnungReichweite bei 4 % realer Rendite
bis 3 %sehr konservativ, Kapital wächst meist nochpraktisch unbegrenzt
3 bis 4 %robust, klassischer Zielkorridorüber 40 Jahre
4 bis 6 %ambitioniert, spürbarer Kapitalverzehrrund 20 bis 35 Jahre
über 6 %riskant, nur für kurze Zeiträume sinnvollunter 20 Jahre

Das unterschätzte Risiko: die Reihenfolge der Renditen

In der Rechnung fällt die Rendite jedes Jahr gleich aus. In der Wirklichkeit schwankt sie – und genau das ist beim Entnehmen gefährlicher als beim Sparen. Fällt der Markt in den ersten Entnahmejahren stark, müssen Anteile zu niedrigen Kursen verkauft werden; dieses Kapital ist weg und kann an der späteren Erholung nicht mehr teilnehmen. Derselbe Einbruch zwanzig Jahre später richtet weit weniger Schaden an. Die gängigen Gegenmittel: einen Puffer von zwei bis drei Jahresentnahmen auf dem Tagesgeld halten, in schwachen Jahren die Entnahme flexibel kürzen und den Aktienanteil auf den Zeithorizont abstimmen.

Beispiel

300.000 € Kapital, 4 % erwartete Rendite, 2 % Inflationsausgleich. Die reale Rendite beträgt (1,04 ÷ 1,02) − 1 = 1,96 % pro Jahr, der Monatszins rund 0,0162 %. Aus reinen Erträgen wären dauerhaft etwa 486 € pro Monat möglich. Sollen es 30 Jahre sein, sind rund 1.100 € monatlich drin – in heutiger Kaufkraft, die Auszahlung im 30. Jahr liegt durch den Inflationsausgleich nominal bei ungefähr 1.954 €. In Summe fließen dabei rund 396.000 € an dich zurück, also 96.000 € mehr, als du eingesetzt hast. Entnimmst du dagegen von Anfang an 1.500 € monatlich, ist das Kapital schon nach etwa 20 Jahren und 2 Monaten aufgebraucht.

Häufige Fragen

Warum rechnet der Rechner mit realer statt nominaler Rendite?

Weil eine über 30 Jahre gleich hohe Auszahlung faktisch eine sinkende Auszahlung ist: Bei 2 % Inflation haben 1.500 € nach 30 Jahren nur noch die Kaufkraft von rund 830 €. Der Rechner unterstellt deshalb, dass du die Entnahme jährlich an die Inflation anpasst, und weist alle Beträge in heutiger Kaufkraft aus. Willst du bewusst ohne Inflationsausgleich rechnen, setze das Feld einfach auf 0.

Was bedeutet „ewige Rente“?

Du entnimmst genau so viel, wie das Kapital real an Ertrag abwirft. Das Vermögen bleibt in heutiger Kaufkraft erhalten und kann vererbt werden. Voraussetzung ist eine reale Rendite über null – liegt die Inflation dauerhaft über der Rendite, gibt es rechnerisch keine ewige Rente.

Sind Steuern berücksichtigt?

Nein. Auf Kursgewinne und Ausschüttungen fällt in Deutschland Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an, bei Fonds gemindert um die Teilfreistellung und den Sparerpauschbetrag. Ein einfacher Weg, das grob abzubilden: Setze die erwartete Rendite entsprechend niedriger an, etwa 3,3 % statt 4 %.

Wie lange sollte das Kapital reichen?

Die Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes ist der übliche Ausgangspunkt: Wer heute mit 65 in den Ruhestand geht, hat statistisch noch rund 18 bis 22 Jahre vor sich – die Hälfte der Menschen lebt aber länger als dieser Durchschnitt. Für die Planung rechnet man deshalb meist mit 30 bis 35 Jahren oder deckt das lange Ende über eine lebenslange Rente ab.

Was ist der Unterschied zum Sparplan- oder Zinseszinsrechner?

Dort zahlst du ein und das Kapital wächst, hier zahlst du aus und es schrumpft. Mathematisch ist es dieselbe Rentenformel, nur mit umgekehrtem Vorzeichen der Zahlungen. Für die Ansparphase nutzt du den Zinseszinsrechner, für die Auszahlphase diesen hier.

Quellen

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