So funktioniert der SSW-Rechner
Der Rechner beantwortet die Frage, die man in der Schwangerschaft am häufigsten stellt und am seltensten sicher beantworten kann: In welcher Woche bin ich eigentlich gerade? Ausgegeben wird die Schwangerschaftswoche in der Schreibweise des Mutterpasses, also als „Woche+Tag“, dazu das Trimester, der Fortschritt in Prozent, die Restzeit bis zum errechneten Termin und die Zeitfenster der Vorsorgeuntersuchungen. Du kannst von vier Ausgangspunkten aus rechnen: vom ersten Tag der letzten Periode, vom errechneten Termin aus dem Mutterpass, vom Tag der Empfängnis oder von einem Ultraschall-Befund.
Warum die Zählung zwei Wochen zu früh beginnt
Die Schwangerschaftswoche wird nicht ab der Zeugung gezählt, sondern ab dem ersten Tag der letzten Periode. Das klingt unlogisch, hat aber einen praktischen Grund: Der Periodenbeginn ist ein Datum, das man kennt, der Tag der Befruchtung dagegen fast nie. Die Folge ist eine dauerhafte Verschiebung um rund zwei Wochen – in der vierten Schwangerschaftswoche ist der Embryo etwa zwei Wochen alt. Wer die 40 Wochen für die reine Entwicklungszeit hält, rechnet deshalb systematisch falsch.
Errechneter Termin = 1. Tag der letzten Periode + 280 Tage ± (Zykluslänge − 28)
„17+2″ oder „18. Woche“? Beides stimmt
Hier liegt die zweite große Stolperfalle. Die Angabe 17+2 bedeutet: 17 abgeschlossene Wochen und 2 Tage. Angefangen hat damit bereits die 18. Woche. Beide Formulierungen beschreiben denselben Tag, klingen aber nach einer Woche Unterschied. Im Mutterpass steht immer die Schreibweise mit Plus, im Gespräch fällt dagegen meist die laufende Wochenzahl – der Rechner gibt deshalb konsequent beides aus.
Die drei Trimester
| Trimester | Zeitraum | Tage ab Periodenbeginn | Was in dieser Zeit zählt |
|---|---|---|---|
| 1. Trimester | SSW 0+0 bis 13+6 | Tag 0 bis 97 | Alle Organe werden angelegt, die empfindlichste Phase |
| 2. Trimester | SSW 14+0 bis 27+6 | Tag 98 bis 195 | Wachstum, erste spürbare Kindsbewegungen |
| 3. Trimester | ab SSW 28+0 | ab Tag 196 | Reifung von Lunge und Nervensystem, Vorbereitung auf die Geburt |
Größe und Gewicht im Verlauf
Bis etwa SSW 20 wird die Scheitel-Steiß-Länge gemessen, danach die Länge vom Kopf bis zur Ferse – deshalb springt die Zahl an dieser Stelle scheinbar nach oben. Es handelt sich um Medianwerte; die Spanne unter völlig gesunden Kindern ist breit, und einzelne Messungen streuen zusätzlich.
| SSW | Länge | Gewicht | Meilenstein |
|---|---|---|---|
| 8+0 | 1,6 cm (SSL) | rund 1 g | Alle Organe sind angelegt |
| 12+0 | 5,4 cm (SSL) | rund 14 g | Ende des ersten Drittels |
| 16+0 | 11,6 cm (SSL) | rund 100 g | Das Geschlecht ist oft erkennbar |
| 20+0 | 16,4 cm (SSL) | rund 300 g | Halbzeit, erste Kindsbewegungen |
| 24+0 | 30,0 cm | rund 600 g | Die Lungenreifung beginnt |
| 28+0 | 37,6 cm | rund 1.005 g | Das letzte Drittel beginnt |
| 32+0 | 42,4 cm | rund 1.702 g | Die meisten Kinder drehen sich in Schädellage |
| 36+0 | 47,4 cm | rund 2.622 g | Die Lungenreife ist weitgehend abgeschlossen |
| 40+0 | 51,2 cm | rund 3.462 g | Der errechnete Termin ist erreicht |
Wann welche Untersuchung ansteht
Die Mutterschafts-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses legen feste Zeitfenster fest. Der Rechner setzt sie automatisch auf konkrete Kalenderdaten um, damit du nicht selbst Wochen abzählen musst.
| Untersuchung | Zeitfenster | Worum es geht |
|---|---|---|
| 1. Ultraschall-Screening | SSW 8+0 bis 11+6 | Sitz der Schwangerschaft, Herzaktion, Bestätigung des Termins |
| 2. Ultraschall-Screening | SSW 18+0 bis 21+6 | Organe und Wachstum, wahlweise als erweiterte Untersuchung |
| Test auf Schwangerschaftsdiabetes | SSW 24+0 bis 27+6 | Suchtest mit 50 g Glukose, bei Auffälligkeit der große Test mit 75 g |
| 3. Ultraschall-Screening | SSW 28+0 bis 31+6 | Wachstum, Lage des Kindes, Fruchtwassermenge |
| Anti-D-Prophylaxe | SSW 28+0 bis 30+0 | Nur bei negativem Rhesusfaktor der Mutter |
Der Abstand zwischen den Vorsorgeterminen beträgt bis SSW 32 in der Regel vier Wochen, danach zwei Wochen. Wird der errechnete Termin überschritten, verkürzt er sich noch einmal deutlich – üblich sind dann Kontrollen alle zwei Tage.
Termingerecht, Frühgeburt, Übertragung
Als termingerecht gilt eine Geburt zwischen SSW 37+0 und 41+6. Davor spricht man von einer Frühgeburt, ab SSW 42+0 von Übertragung. Der errechnete Termin ist dabei ein statistischer Mittelwert und kein Ziel: Nur etwa vier von hundert Kindern kommen exakt an diesem Tag zur Welt, aber rund neun von zehn innerhalb des termingerechten Fensters. Genau deshalb ist eine einzelne Tagesangabe die am häufigsten missverstandene Zahl der ganzen Schwangerschaft.
Mutterschutz: die beiden Daten, die im Kalender stehen sollten
Die Schutzfrist beginnt sechs Wochen vor dem errechneten Termin und endet acht Wochen nach der Entbindung (§ 3 Mutterschutzgesetz). Bei Mehrlings- und Frühgeburten sowie bei einer Behinderung des Kindes verlängert sich die Frist nach der Geburt auf zwölf Wochen. Vor der Geburt darfst du auf ausdrücklichen eigenen Wunsch weiterarbeiten, nach der Geburt gilt ein absolutes Beschäftigungsverbot. Kommt das Kind vor dem Termin, wird die dadurch verlorene Zeit hinten angehängt – die Schutzfrist wird also nie kürzer als vorgesehen. Der Kündigungsschutz nach § 17 MuSchG reicht bis vier Monate nach der Entbindung, greift aber nur, wenn der Arbeitgeber von der Schwangerschaft weiß.
Häufige Fragen
Welche Methode ist die genaueste?
Der Ultraschall im ersten Drittel. In dieser Phase folgt die Scheitel-Steiß-Länge bei allen Kindern fast demselben Verlauf, deshalb lässt sich das Alter auf wenige Tage genau bestimmen. Später wird die Streuung so groß, dass eine Terminkorrektur im dritten Drittel kaum noch sinnvoll ist. Wurde der Termin im Mutterpass bereits korrigiert, rechne mit der Methode „errechneter Termin“.
Mein Zyklus ist länger als 28 Tage – ändert das etwas?
Ja, den Termin, aber nicht die aktuelle SSW. Die Naegele-Regel geht von 28 Tagen aus; bei einem 32-Tage-Zyklus verschiebt sich der errechnete Termin um vier Tage nach hinten, bei 24 Tagen um vier Tage nach vorn. Die Woche, in der du heute bist, wird weiterhin ab dem Periodenbeginn gezählt und bleibt davon unberührt.
Warum bin ich in der 5. Woche schon „schwanger“, obwohl der Test gerade erst positiv war?
Weil die Zählung zwei Wochen vor der Befruchtung startet. Der Test wird typischerweise um SSW 4+0 bis 5+0 positiv, also etwa zum Zeitpunkt der ausbleibenden Periode. Zu diesem Zeitpunkt ist der Embryo rund zwei bis drei Wochen alt, die SSW aber schon bei vier bis fünf.
Was bedeutet die Angabe „ET+3″?
Drei Tage nach dem errechneten Termin, also SSW 40+3. Bis SSW 41+6 gilt das als völlig normal; erst ab SSW 42+0 spricht man von Übertragung, und ab dann wird engmaschiger kontrolliert.
Ersetzt der Rechner die Vorsorge?
Nein. Alle Angaben sind rechnerische Orientierungswerte auf Basis der 280-Tage-Regel und der Mutterschafts-Richtlinien. Verbindlich sind der Eintrag im Mutterpass und die Einschätzung von Ärztin, Arzt oder Hebamme. Bei Schmerzen, Blutungen oder Sorgen gilt immer: lieber einmal zu früh anrufen als einmal zu spät.
Quellen
- Gemeinsamer Bundesausschuss – Mutterschafts-Richtlinien (Vorsorgeuntersuchungen, Ultraschall-Screenings, Zeitfenster).
- Mutterschutzgesetz (MuSchG), insbesondere § 3 zu den Schutzfristen und § 17 zum Kündigungsschutz.
- Naegele-Regel als geburtshilfliche Standardmethode zur Terminbestimmung.
- WHO – Definitionen zu Frühgeburt, termingerechter Geburt und Übertragung.
- Voigt-Perzentilen und gebräuchliche geburtshilfliche Referenzkurven für die Angaben zu Länge und Gewicht (Medianwerte).
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