So funktioniert der Wärmepumpen-Rechner
Ob sich eine Wärmepumpe rechnet, hängt an einer einzigen Zahl: der Jahresarbeitszahl. Sie sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme die Anlage aus einer Kilowattstunde Strom macht. Alles andere – Bauart, Hersteller, Förderprogramm – wirkt nur über diesen Hebel. Der Rechner geht deshalb in vier Schritten vor: Er ermittelt zuerst, wie viel Wärme dein Haus überhaupt braucht, schätzt dann die realistisch erreichbare Jahresarbeitszahl aus Vorlauftemperatur und Bauart, rechnet daraus den Stromverbrauch – und stellt die Kosten der alten Heizung gegenüber.
Du kannst von deinem Gasverbrauch, von deinem Heizölverbrauch oder von Wohnfläche und Gebäudestandard ausgehen. Der wichtigste Zwischenschritt beim Verbrauch: Von den Kilowattstunden auf der Gasrechnung kommt nicht alles als Wärme im Haus an. Ein alter Konstanttemperaturkessel verliert rund ein Fünftel über Abgas und Bereitschaftsverluste, ein moderner Brennwertkessel nur wenige Prozent. Die Wärmepumpe muss nur die Nutzwärme liefern – deshalb rechnet der Rechner den Nutzungsgrad heraus, bevor er die Jahresarbeitszahl anwendet.
Die Formeln
Stromverbrauch (kWh) = Wärmebedarf (kWh) ÷ Jahresarbeitszahl (JAZ)
Break-even-JAZ = Wärmebedarf × Strompreis ÷ Kosten der alten Heizung
Die dritte Zeile ist die eigentlich wichtige. Sie beantwortet nicht die Frage „was spare ich?“, sondern „ab wann spare ich überhaupt?“ – und die lässt sich, anders als jede Prognose, kaum wegdiskutieren. Rechnet man den Grundpreis der alten Heizung heraus, vereinfacht sie sich zu einer Faustformel, die man im Kopf behalten kann:
Bei 24 ct Wärmepumpentarif, 12 ct Gas und einem Niedertemperaturkessel mit 87 Prozent Nutzungsgrad sind das 2 × 0,87 = 1,74. Jede Wärmepumpe, die besser als 1,74 arbeitet, ist im laufenden Betrieb billiger als der alte Kessel. Selbst schlecht ausgelegte Anlagen liegen darüber – der Streit dreht sich in Wahrheit nie um die Frage ob, sondern nur darum, wie groß der Abstand ausfällt.
Welche Jahresarbeitszahl ist realistisch?
Die Vorlauftemperatur ist der mit Abstand größte Hebel: Jedes Grad weniger bringt rund 2,5 Prozent mehr Effizienz. Der Rechner schätzt die JAZ aus dieser Temperatur und der Bauart, wenn du das Feld leer lässt – kennst du deine tatsächliche Zahl aus dem Wärmemengenzähler, trägst du sie einfach ein.
| Heizsystem | Luft/Wasser | Sole/Wasser (Erdsonde) | Wasser/Wasser (Brunnen) |
|---|---|---|---|
| 35 °C – Fußboden- oder Wandheizung | 4,2 | 5,0 | 5,3 |
| 45 °C – große Niedertemperatur-Heizkörper | 3,7 | 4,4 | 4,6 |
| 55 °C – normale Heizkörper | 3,2 | 3,8 | 4,0 |
| 65 °C – alte, klein dimensionierte Heizkörper | 2,7 | 3,2 | 3,4 |
Diese Werte beschreiben eine sauber ausgelegte, hydraulisch abgeglichene Anlage. Wer in der Praxis darunter landet, hat fast immer eines von drei Problemen: einen fehlenden hydraulischen Abgleich, eine zu hoch eingestellte Heizkurve oder eine überdimensionierte Wärmepumpe, die zu häufig taktet. Alle drei kosten Effizienz, ohne dass die Technik daran schuld wäre.
Was das im Geld bedeutet
Beispielhaus mit 20.000 kWh Gasverbrauch, Niedertemperaturkessel (87 %), 12 ct/kWh Gas, 400 € Grundpreis, Wartung und Schornsteinfeger, dagegen eine Luft/Wasser-Wärmepumpe mit einem Wärmepumpentarif von 24 ct/kWh.
| Vorlauf | JAZ | Stromverbrauch | Kosten Wärmepumpe | Kosten Gasheizung | Ersparnis | CO₂ weniger |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 35 °C | 4,2 | 4.143 kWh | 994 € | 2.800 € | 1.806 € | 2.516 kg |
| 45 °C | 3,7 | 4.703 kWh | 1.129 € | 2.800 € | 1.671 € | 2.313 kg |
| 55 °C | 3,2 | 5.438 kWh | 1.305 € | 2.800 € | 1.495 € | 2.046 kg |
| 65 °C | 2,7 | 6.444 kWh | 1.547 € | 2.800 € | 1.253 € | 1.681 kg |
Bemerkenswert ist die Spannweite: Zwischen dem besten und dem schlechtesten Heizsystem liegen beim Stromverbrauch 55 Prozent, bei der Ersparnis aber nur rund 550 Euro im Jahr. Auch das ungünstigste Szenario – alte, zu kleine Heizkörper mit 65 °C Vorlauf – bleibt deutlich im Plus. Die verbreitete Vorstellung, eine Wärmepumpe funktioniere nur im Neubau mit Fußbodenheizung, ist eine Aussage über den Komfort der Auslegung, nicht über die Wirtschaftlichkeit.
Wärmebedarf ohne Verbrauchsdaten schätzen
Wenn du keine Abrechnung zur Hand hast, rechnet der Rechner über den spezifischen Wärmebedarf je Quadratmeter. Beispiel: 140 m² beheizte Wohnfläche, Luft/Wasser-Wärmepumpe an normalen Heizkörpern (JAZ 3,2), 24 ct/kWh.
| Gebäudestandard | kWh je m² | Wärmebedarf | Heizlast | Stromverbrauch | Stromkosten |
|---|---|---|---|---|---|
| Neubau KfW 40 | 30 | 4.200 kWh | 2,3 kW | 1.313 kWh | 315 € |
| Neubau nach GEG | 55 | 7.700 kWh | 4,3 kW | 2.406 kWh | 578 € |
| saniert (Fenster, Fassade) | 90 | 12.600 kWh | 7,0 kW | 3.938 kWh | 945 € |
| Baujahr 1980–1995, teilsaniert | 140 | 19.600 kWh | 10,9 kW | 6.125 kWh | 1.470 € |
| unsaniert, vor 1978 | 200 | 28.000 kWh | 15,6 kW | 8.750 kWh | 2.100 € |
Die Heizlast in der vierten Spalte entsteht aus rund 1.800 Vollbenutzungsstunden im Jahr – die übliche Faustformel für deutsche Wohngebäude. Sie ist der Wert, an dem sich die Baugröße der Wärmepumpe orientiert. Verlass dich für den Kauf aber nicht darauf: Eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 rechnet Raum für Raum und liegt in unsanierten Häusern regelmäßig ein bis zwei Kilowatt unter der Faustformel, weil selten alle Räume gleich stark beheizt werden. Eine überdimensionierte Wärmepumpe ist teurer in der Anschaffung und im Betrieb.
Der Strompreis ist der zweite große Hebel
Ein separater Wärmepumpentarif nach § 14a EnWG kostet spürbar weniger als Haushaltsstrom. Der Gegenwert: Der Netzbetreiber darf die Bezugsleistung bei Netzengpässen vorübergehend drosseln. Praktisch fällt das kaum auf, weil ein Gebäude über zwei Stunden kaum messbar auskühlt. Wie stark der Tarif wirkt, zeigt die Break-even-JAZ (Beispielhaus wie oben, ohne Grundpreis gerechnet):
| Strompreis | Gaspreis | Break-even-JAZ |
|---|---|---|
| 20 ct/kWh (günstiger Wärmepumpentarif) | 12 ct/kWh | 1,45 |
| 24 ct/kWh (üblicher Wärmepumpentarif) | 12 ct/kWh | 1,74 |
| 28 ct/kWh | 12 ct/kWh | 2,03 |
| 37 ct/kWh (normaler Haushaltsstrom) | 12 ct/kWh | 2,68 |
| 24 ct/kWh | 10 ct/kWh | 2,09 |
| 24 ct/kWh | 14 ct/kWh | 1,49 |
Selbst im ungünstigsten Fall dieser Tabelle – Haushaltsstrom gegen billiges Gas – liegt die Schwelle bei einer JAZ von 2,68 und damit unter dem, was auch schlecht ausgelegte Luft-Wärmepumpen erreichen. Der CO₂-Preis auf fossile Brennstoffe verschiebt die Schwelle in den kommenden Jahren zusätzlich zugunsten der Wärmepumpe.
Häufige Fragen
Woher weiß ich meine tatsächliche Jahresarbeitszahl?
Aus dem Wärmemengenzähler, den die meisten Wärmepumpen eingebaut haben und den die Förderung ohnehin verlangt. Teile die abgegebene Wärmemenge eines vollen Jahres durch den Stromverbrauch der Anlage im selben Zeitraum – das ist die JAZ. Wichtig ist ein volles Kalenderjahr inklusive Warmwasser und eventuellem Heizstab, sonst misst du nur den Schönwetterbetrieb. Die auf dem Typenschild stehende COP-Zahl ist etwas anderes: ein Laborwert bei einer einzigen Temperaturkombination, meist A2/W35, und liegt systematisch über der JAZ.
Muss ich vorher die Heizkörper austauschen?
Meist nur einzelne. Die Faustregel: Prüfe an einem sehr kalten Tag, ob das Haus mit abgesenkter Vorlauftemperatur – etwa 50 statt 70 °C – noch warm wird. Bleibt genau ein Raum kalt, ist es billiger, dort einen größeren Heizkörper einzubauen, als die gesamte Anlage auf die höhere Temperatur auszulegen. Ein einziger unterversorgter Raum zwingt sonst die Regelung dauerhaft nach oben und kostet über alle Räume hinweg Effizienz. Diesen Effekt kannst du im Rechner sichtbar machen, indem du zwischen 55 °C und 45 °C umschaltest.
Rechnet sich eine Wärmepumpe zusammen mit Photovoltaik?
Ja, aber weniger stark, als die Werbung nahelegt. Der Haken ist die Jahreszeit: Die Wärmepumpe braucht ihren Strom im Dezember und Januar, die Photovoltaik liefert ihn im Juni und Juli. Realistisch deckt eine Dachanlage ohne großen Speicher rund 15 bis 25 Prozent des Wärmepumpenstroms – im Wesentlichen in der Übergangszeit und beim Warmwasser. Genau dafür ist das Feld „Anteil, den eine eigene PV-Anlage deckt“ gedacht; der Rechner begrenzt es bewusst auf 60 Prozent, weil darüber hinaus nur noch saisonale Großspeicher helfen würden.
Warum enthält der Rechner keine Anschaffungskosten und keine Förderung?
Weil beide sich zu schnell ändern und stark vom Einzelfall abhängen – Erdsonde oder Luftgerät, Neubau oder Kesseltausch, Bonus für den Austausch alter Heizungen, Einkommensgrenzen. Der Rechner beantwortet deshalb die eine Frage, die sich sauber und dauerhaft beantworten lässt: Was kostet der laufende Betrieb im Vergleich? Die jährliche Ersparnis, die er ausweist, ist genau die Zahl, die du für eine Amortisationsrechnung brauchst: Investition abzüglich Förderung, geteilt durch diese Ersparnis.
Wie zuverlässig ist die Schätzung über die Wohnfläche?
Als Größenordnung brauchbar, als Auslegungsgrundlage nicht. Der spezifische Wärmebedarf streut innerhalb derselben Baualtersklasse leicht um den Faktor zwei – ein freistehendes Haus verliert über deutlich mehr Außenfläche als eine Wohnung im Mittelgeschoss, und das Nutzerverhalten macht noch einmal 20 bis 30 Prozent aus. Wenn du eine Abrechnung findest, nimm sie: Drei Jahre echter Verbrauch schlagen jede Tabelle.
Quellen
- DIN EN 12831 – Verfahren zur Berechnung der Norm-Heizlast; Bezugsgröße für die Auslegung.
- VDI 4650 Blatt 1 – Kurzverfahren zur Berechnung der Jahresarbeitszahl von Wärmepumpen.
- § 14a EnWG – steuerbare Verbrauchseinrichtungen, reduzierte Netzentgelte und Dimmung auf 4,2 kW.
- Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Feldmessungen zu Wärmepumpen im Gebäudebestand.
- BDEW, Gas- und Strompreisanalysen; Grundlage der im Rechner voreingestellten Preise.
- Umweltbundesamt, Emissionsfaktoren: Erdgas rund 201 g CO₂ je kWh, Heizöl rund 266 g CO₂ je kWh, deutscher Strommix rund 363 g CO₂ je kWh.
- Alle Tabellenwerte dieser Seite stammen aus Durchläufen des Rechners auf dieser Seite.
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