So funktioniert der Spritverbrauch-Rechner
Der Rechner beantwortet die einzige Frage, die der Bordcomputer nicht ehrlich beantwortet: Wie viel verbraucht mein Auto wirklich? Grundlage ist die Volltank-Methode – die zuverlässigste Art, den Verbrauch zu messen, weil sie ohne Elektronik auskommt. Aus der nachgetankten Menge und den seit der letzten Füllung gefahrenen Kilometern ergibt sich der Verbrauch in Litern je 100 Kilometer, dazu die Kosten pro 100 Kilometer und pro Kilometer, die Reichweite einer Tankfüllung, der CO₂-Ausstoß und die Hochrechnung aufs Jahr.
Die Formel dahinter
Kilometer pro Liter = gefahrene Kilometer ÷ getankte Liter
Kosten je 100 km = Verbrauch × Preis pro Liter
CO₂ je km = Verbrauch ÷ 100 × CO₂-Faktor des Kraftstoffs
Die Zahl 100 im Zähler ist reine Konvention: Im deutschsprachigen Raum wird der Verbrauch pro 100 Kilometer angegeben, im englischsprachigen Raum umgekehrt als Strecke pro Kraftstoffmenge (Meilen pro Gallone). Beide Angaben lassen sich ineinander umrechnen, verhalten sich aber gegensätzlich: Bei l/100 km ist weniger besser, bei mpg mehr.
So misst du richtig
Die Methode steht und fällt damit, dass beide Tankfüllungen gleich voll sind. Bewährt hat sich dieses Vorgehen:
| Schritt | Was zu tun ist | Warum |
|---|---|---|
| 1. Volltanken | Bis zur ersten Abschaltung der Zapfpistole, danach nicht nachfüllen | Nachfüllen ist nie reproduzierbar – die erste Abschaltung schon |
| 2. Tageskilometerzähler auf null | Trip-Zähler zurücksetzen | Vermeidet Rechenfehler beim Ablesen |
| 3. Normal fahren | Am besten eine volle Tankfüllung lang | Kurze Strecken verfälschen das Ergebnis stark |
| 4. Wieder volltanken | Möglichst dieselbe Tankstelle, dieselbe Säule | Die Neigung des Hofs verschiebt den Füllstand um bis zu einen Liter |
| 5. Rechnen | Getankte Liter und Kilometer eintragen | Der Wert je Füllung schwankt – erst der Schnitt aus drei bis fünf Füllungen ist belastbar |
Warum der Prospektwert nie stimmt
Seit September 2018 werden Neuwagen in der EU nach dem WLTP-Verfahren gemessen, das den früheren NEFZ abgelöst hat. WLTP ist deutlich realitätsnäher – höhere Geschwindigkeiten, längere Messdauer, mehr Beschleunigungsphasen –, bleibt aber ein genormtes Laborverfahren bei festgelegter Temperatur, ohne Klimaanlage, ohne Gegenwind, ohne Dachbox und ohne Stau. Der Alltagsverbrauch liegt deshalb regelmäßig darüber. Das ist kein Betrug, sondern der Preis dafür, dass alle Fahrzeuge unter identischen Bedingungen vergleichbar gemessen werden.
Was den Verbrauch tatsächlich bewegt
Der Luftwiderstand wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit, die dafür nötige Leistung sogar mit der dritten Potenz. Deshalb ist Tempo der mit Abstand größte Hebel auf der Autobahn, während er in der Stadt kaum zählt – dort dominieren Anfahren, Bremsen und der kalte Motor. Weitere Klassiker: zu niedriger Reifendruck (0,5 bar zu wenig kosten rund 2 bis 3 Prozent), Dachträger und Fahrradheckträger, Standzeiten mit laufendem Motor sowie Kurzstrecken unter vier Kilometern, auf denen der Motor nie seine Betriebstemperatur erreicht.
Häufige Fragen
Warum weicht mein Bordcomputer vom gerechneten Wert ab?
Der Bordcomputer misst den Verbrauch nicht, er schätzt ihn: aus der Öffnungsdauer der Einspritzventile und der Wegstrecke. Toleranzen der Sensoren, der tatsächliche Füllstand des Tanks und Rundungen gehen dabei nicht ein. In der Praxis zeigen die meisten Fahrzeuge etwas zu wenig an. Die Volltank-Methode ist deshalb die verlässlichere Referenz – vorausgesetzt, es wird sauber gemessen.
Warum schwankt der Verbrauch von Tankfüllung zu Tankfüllung?
Weil jede Füllung ein anderes Streckenprofil enthält. Winterbetrieb kostet leicht einen Liter mehr: kalter Motor, dickeres Öl, Sitz- und Scheibenheizung, Winterreifen mit höherem Rollwiderstand. Auch die Abschaltautomatik der Zapfpistole trifft nie exakt denselben Füllstand. Deshalb ist der Mittelwert aus mehreren Füllungen aussagekräftiger als eine einzelne Messung.
Wie ist der CO₂-Wert zu verstehen?
Er beschreibt die direkte Verbrennung im Motor: rund 2,37 kg CO₂ je Liter Benzin, 2,64 kg je Liter Diesel und 1,64 kg je Liter Autogas. Diese Werte folgen aus dem Kohlenstoffgehalt des Kraftstoffs und sind daher physikalisch festgelegt, nicht geschätzt. Nicht enthalten sind Förderung, Raffinerie und Transport – rechnet man diese Vorkette mit, liegt der Gesamtwert je nach Quelle etwa 15 bis 25 Prozent höher.
Warum verbraucht Diesel weniger, stößt aber mehr CO₂ je Liter aus?
Dieselkraftstoff ist dichter und enthält pro Liter mehr Energie und mehr Kohlenstoff. Ein Liter Diesel setzt deshalb mehr CO₂ frei als ein Liter Benzin – bringt das Fahrzeug aber auch weiter. Für den Vergleich zählt darum nicht der Wert je Liter, sondern der Ausstoß je Kilometer, und genau den weist der Rechner aus.
Funktioniert der Rechner auch für Motorrad, Wohnmobil oder Boot?
Ja, die Formel ist unabhängig vom Fahrzeug. Beim Motorrad ist die Volltank-Methode wegen des kleinen Tanks allerdings ungenauer – schon ein halber Liter Unterschied beim Abschalten verschiebt das Ergebnis spürbar. Bei Booten wird üblicherweise in Litern pro Stunde statt pro Strecke gerechnet.
Quellen
- CO₂-Emissionsfaktoren aus der Verbrennung von Kraftstoffen: rund 2,37 kg je Liter Ottokraftstoff, 2,64 kg je Liter Dieselkraftstoff, 1,64 kg je Liter Flüssiggas – abgeleitet aus dem Kohlenstoffgehalt der Kraftstoffe.
- WLTP (Worldwide Harmonised Light Vehicles Test Procedure), seit September 2018 verbindliches Messverfahren für die Typgenehmigung neuer Pkw in der EU; Ablösung des NEFZ.
- Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (Pkw-EnVKV) – Grundlage der Verbrauchs- und CO₂-Angaben im Verkaufsprospekt.
- Umrechnungsfaktoren: 1 US-Gallone = 3,785412 Liter, 1 britische Gallone = 4,546090 Liter, 1 Meile = 1,609344 Kilometer.
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