Reifenrechner

So funktioniert der Reifenrechner

Der Reifenrechner stellt zwei Reifengrößen nebeneinander und zeigt, was sich beim Wechsel wirklich ändert. Du trägst die alte und die neue Größe so ein, wie sie auf der Flanke steht – Breite in Millimetern, Querschnitt in Prozent, Felgendurchmesser in Zoll – und bekommst Flankenhöhe, Reifendurchmesser, Abrollumfang, Umdrehungen je Kilometer, die Abweichung in Prozent, die Auswirkung auf Tacho und Kilometerzähler, die Verschiebung der Radmitte, die Tragfähigkeit aus dem Lastindex, die freigegebene Höchstgeschwindigkeit und eine Liste rechnerisch passender Alternativgrößen auf der neuen Felge.

Die Skala zeigt die eine Zahl, auf die es beim Größentausch ankommt: die prozentuale Abweichung des Abrollumfangs. Bis etwa 1,5 Prozent gilt der Tausch als unauffällig, zwischen 1,5 und 2,5 Prozent wird es grenzwertig, darüber rechnen Tacho, ABS und ESP spürbar an der Wirklichkeit vorbei.

Die Formeln dahinter

Flankenhöhe   h = Breite × Querschnitt ÷ 100   |   der Querschnitt ist ein Prozentwert, kein Millimetermaß
Reifendurchmesser   D = Felge in Zoll × 25,4 mm + 2 × h   |   zweimal, weil die Flanke oben und unten sitzt
Abrollumfang   U = π × D
Umdrehungen je km   n = 1.000 m ÷ U
Abweichung   a = (D neu − D alt) ÷ D alt × 100 %
Tatsächliche Geschwindigkeit   v real = v Tacho × D neu ÷ D alt
Änderung der Radmitte   Δ = (D neu − D alt) ÷ 2

Weil π in beiden Umfangszeilen steht, kürzt es sich beim Vergleich heraus: Die prozentuale Abweichung des Abrollumfangs ist immer genau so groß wie die des Durchmessers. Der Rechner arbeitet mit dem geometrischen Umfang. Der dynamische Abrollumfang unter Last liegt je nach Reifen zwei bis vier Prozent darunter, weil der Reifen sich abplattet – für den Vergleich zweier Größen spielt das keine Rolle, weil beide gleich betroffen sind.

Was auf der Flanke steht

Die Bezeichnung 205/55 R 16 91 V liest sich Stück für Stück:

TeilBedeutungim Beispiel
205Laufflächenbreite in Millimetern205 mm
55Querschnittsverhältnis: Flankenhöhe in Prozent der Breite55 % von 205 mm = 112,8 mm
RRadialbauweise – nicht der RadiusRadialreifen
16Felgendurchmesser in Zoll16 × 25,4 mm = 406,4 mm
91Tragfähigkeitsindex (Lastindex)615 kg je Reifen
VGeschwindigkeitsindexbis 240 km/h

Der häufigste Denkfehler steckt in der zweiten Zahl. Sie ist ein Verhältnis, keine Länge. Deshalb hat ein 225er Reifen mit 45 Prozent Querschnitt eine Flanke von 101,3 Millimetern und ist damit flacher als ein 205er mit 55 Prozent und 112,8 Millimetern – obwohl die größere Zahl vorn steht.

Wie viel Abweichung ist erlaubt?

Eine gesetzliche Prozentgrenze für den Abrollumfang gibt es nicht. Was es gibt, ist eine Vorschrift für den Tacho, und aus ihr folgt die Toleranz. Nach § 57 StVZO in Verbindung mit ECE-R 39 darf ein Tacho nie weniger anzeigen, als tatsächlich gefahren wird. Nach oben sind zehn Prozent plus vier Stundenkilometer erlaubt – bei echten 100 km/h darf der Zeiger also alles zwischen 100 und 114 km/h zeigen.

Hersteller nutzen diesen Spielraum und kalibrieren ab Werk mit einem Vorlauf von grob fünf Prozent. Genau diesen Puffer verbraucht ein größerer Reifen: Er dreht seltener, der Tacho zählt weniger Umdrehungen und zeigt entsprechend weniger an. Ein kleinerer Reifen wirkt in die unkritische Richtung – der Tacho zeigt dann noch mehr Vorlauf, du fährst langsamer als angezeigt.

Ausgehend von 205/55 R16 (Durchmesser 631,9 mm, Abrollumfang 1,985 m) sieht das so aus:

Neue GrößeDurchmesserAbweichungbei Tacho 100 km/hBewertung
215/45 R17625,3 mm−1,0 %99,0 km/him Rahmen
225/45 R17634,3 mm+0,4 %100,4 km/him Rahmen
205/50 R17636,8 mm+0,8 %100,8 km/him Rahmen
235/40 R18645,2 mm+2,1 %102,1 km/hgrenzwertig
205/60 R16652,4 mm+3,2 %103,2 km/hzu viel
225/50 R17656,8 mm+3,9 %103,9 km/hzu viel
225/55 R17679,3 mm+7,5 %107,5 km/hdeutlich zu viel

Die letzte Zeile zeigt, warum eine scheinbar harmlose Änderung schnell entgleist: Von 205/55 R16 auf 225/55 R17 wandern gleich zwei Werte nach oben, die Breite und der Zoll, während der Querschnitt stehen bleibt. Der Reifen wächst um 47 Millimeter im Durchmesser, die Radmitte steigt um 23,7 Millimeter, und der Kilometerzähler verrechnet sich um 7,5 Prozent – nach 15.000 angezeigten Kilometern wären tatsächlich 16.125 gefahren. Das kostet nicht nur Garantie- und Wartungsintervalle, sondern beim Verkauf auch bare Münze.

Übliche Größen im Vergleich

GrößeFlankenhöheDurchmesserAbrollumfangUmdrehungen je km
175/65 R14113,8 mm583,1 mm1,832 m546
185/60 R15111,0 mm603,0 mm1,894 m528
195/65 R15126,8 mm634,5 mm1,993 m502
205/55 R16112,8 mm631,9 mm1,985 m504
215/60 R16129,0 mm664,4 mm2,087 m479
225/45 R17101,3 mm634,3 mm1,993 m502
225/50 R17112,5 mm656,8 mm2,063 m485
235/45 R18105,8 mm668,7 mm2,101 m476

Zwei Zeilen daraus erklären das Prinzip des Plus-Sizing besser als jede Theorie: 195/65 R15 und 225/45 R17 unterscheiden sich um zwei Zoll in der Felge und 30 Millimeter in der Breite – und haben mit 634,5 zu 634,3 Millimetern praktisch denselben Durchmesser. Genau so ist es gedacht: Was die Felge an Zoll gewinnt, gibt der Reifen an Flanke ab.

Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex

Beide Werte dürfen nie unter denen liegen, die für das Fahrzeug eingetragen sind. Höher ist immer erlaubt.

Lastindexkg je ReifenLastindexkg je ReifenIndexHöchstgeschwindigkeit
75387 kg97730 kgQ160 km/h
80450 kg100800 kgR170 km/h
85515 kg103875 kgS180 km/h
88560 kg106950 kgT190 km/h
91615 kg1091.030 kgH210 km/h
94670 kg1121.120 kgV240 km/h
96710 kg1161.250 kgW / Y270 / 300 km/h

Eine wichtige Ausnahme betrifft Winterreifen: Sie dürfen einen niedrigeren Geschwindigkeitsindex haben als die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs. Dann muss allerdings ein Hinweisschild mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit im Sichtfeld der fahrenden Person angebracht sein.

Die drei Fehler beim Reifenkauf

Erstens: den Querschnitt für Millimeter halten. Wer von 205/55 auf 225/55 wechselt, weil die Flanke ja gleich bleiben soll, vergrößert den Durchmesser um 22 Millimeter – der Querschnitt bezieht sich auf die neue, breitere Lauffläche.

Zweitens: nur den Umfang prüfen und die Freigabe vergessen. Diese Rechnung ist eine Geometrieprüfung, keine Zulassung. Erlaubt sind ausschließlich Größen, die in der Zulassungsbescheinigung Teil I unter 15.1 und 15.2, in der EG-Übereinstimmungsbescheinigung (CoC) oder in einer Unbedenklichkeitsbescheinigung für dein Fahrzeug stehen. Breite Reifen können außerdem am Federbein oder im Radhaus streifen, ohne dass die Rechnung davon etwas ahnt.

Drittens: Reifen mischen. Auf einer Achse müssen Größe, Bauart und Profil übereinstimmen. Unterschiedliche Abrollumfänge links und rechts irritieren ABS und ESP und belasten bei Allradfahrzeugen das Differenzial dauerhaft.

Häufige Fragen

Wie viel Prozent Abweichung sind erlaubt?

Eine Prozentzahl steht in keinem Gesetz. Maßgeblich ist die Tachovorschrift: Die Anzeige darf nie unter der tatsächlichen Geschwindigkeit liegen, nach oben sind zehn Prozent plus vier Stundenkilometer zulässig. Weil Hersteller ab Werk rund fünf Prozent Vorlauf einbauen, gilt in der Praxis eine Toleranz von etwa anderthalb Prozent im Abrollumfang als unauffällig. Entscheidend bleibt aber, dass die Größe für dein Fahrzeug freigegeben ist – ohne Freigabe hilft auch eine Abweichung von null Prozent nicht.

Zeigt mein Tacho mit größeren Reifen zu wenig an?

Ja, und das ist die kritische Richtung. Der Tacho zählt Radumdrehungen und rechnet sie mit dem Umfang der Serienbereifung in Geschwindigkeit um. Ein größerer Reifen legt pro Umdrehung mehr Strecke zurück, also fährst du schneller, als der Zeiger behauptet. Der Kilometerzähler zählt aus demselben Grund zu wenig – bei drei Prozent größerem Umfang fehlen auf 15.000 angezeigten Kilometern rund 450 echte.

Was bedeutet Plus-Sizing?

Größere Felge, flacherer Reifen, gleicher Außendurchmesser. Ein Zoll mehr Felge entspricht 25,4 Millimetern mehr Durchmesser, die über eine um 12,7 Millimeter niedrigere Flanke ausgeglichen werden müssen. Die Lenkung wird direkter und die Optik sportlicher, dafür federt die kürzere Flanke weniger, Felgenschäden an Bordsteinen werden wahrscheinlicher, und das größere Rad ist schwerer – das kostet Komfort und minimal Verbrauch.

Wie alt darf ein Reifen sein und wann ist er abgefahren?

Das Alter steht in der vierstelligen DOT-Nummer: Die ersten beiden Ziffern sind die Produktionswoche, die letzten beiden das Jahr, 2319 bedeutet also 23. Kalenderwoche 2019. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern in den Hauptrillen. Weil der Bremsweg auf nasser Fahrbahn schon lange vorher deutlich wächst, empfehlen ADAC und DVR drei Millimeter bei Sommer- und vier Millimeter bei Winterreifen. Gummi altert auch ungefahren; nach etwa acht bis zehn Jahren ist ein Wechsel unabhängig vom Profil sinnvoll.

Reicht die M+S-Kennzeichnung im Winter noch?

Nein. Seit dem 1. Oktober 2024 erfüllen bei winterlichen Straßenverhältnissen nur noch Reifen mit dem Alpine-Symbol – dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke, auch 3PMSF genannt – die situative Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO. Die reine Aufschrift M+S genügt nicht mehr. Die meisten Winter- und Ganzjahresreifen ab Baujahr 2018 tragen beide Kennzeichnungen.

Kann ich vorn und hinten verschiedene Größen fahren?

Nur wenn genau diese Kombination für das Fahrzeug freigegeben ist. Bei vielen Sportwagen und einigen Heckantrieblern ist eine sogenannte Mischbereifung mit breiteren Hinterreifen ab Werk vorgesehen und in den Papieren eingetragen. Innerhalb einer Achse müssen die Reifen dagegen immer gleich sein.

Quellen

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